Teil 2: 5. April 2008
Letzte Woche haben wir im badischen Rheinmünster unseren Klassiker gefunden. Beim Classic Mustang Shop wurden wir fündig. Beim Blick vor die Tür will noch kein Cabriofeeling aufkommen. Trotzdem soll unser Oldtimer in nur acht Wochen wieder auferstehen, da heißt es keine Zeit vertrödeln! Hoch motiviert geht das Team um die Mustang Shop-Begründer Martin Merkel und Frank Lorenz dem Mustang an die Wäsche: Was steckt wirklich unter dem 40 Jahre alten Blechkleid unseres Ponys?
Alles kommt raus, alles wird neu! Zunächst muss der V8-Motor ausbluten: er stiftet sechs Liter für die Altölentsorgung. Unsere Ford-Legende ist Baujahr 1968. Kein Wunder, dass sich an Unterboden und Fahrwerksteilen jede Menge Flugrost zeigt. Ein echtes Problem: auch die Schrauben sind mittlerweile richtig festgefressen - deshalb greifen die Experten zu einem alten, echt heißen Schraubertrick: Mit dem Heißluftfön hat Ricky die Halterungen gelöst und kann den alten, verrosteten Auspuff für immer entsorgen. Hier werden wir eine Original-Doppelrohr-GT-Auspuffanlage aus den USA einbauen.
Dann trennt das Team das Automatik-Getriebe vom Motorblock. Auch hier gibt’s Ärger mit den alten Schrauben. Eine Zuleitung zum Getriebeölkühler ist abgerissen – aber alles kein Grund zur Sorge. Dann kommt es zur Scheidung! Aber nicht für immer, denn Motor und Karosse sehen sich frisch restauriert in ein paar Wochen wieder. Ohne den Motorkran geht es nicht – immerhin wiegt der Achtzylinder über 200 Kilo.
Mit dem Kugelkopfabzieher rückt Ludwig den Fahrwerkskomponenten auf den Leib. Egal ob Querlenker, Achsträger, Blattfedern oder Trommelbremsen – alles ist Schrott und wird durch nagelneue Teile ersetzt. Beim Entfernen der Blattfedern gibt’s einen weiteren "Widerstandskämpfer". Ludwig setzt auf das bewährte Hausmittel – aber die Schraube rührt sich nicht vom Fleck. Nun greifen die Männer zu brachialeren Methoden – mit mäßigem Erfolg. Eigentlich ist Karosseriebauer Ricky ein echter Virtuose an der Flex – aber egal, wie er die Trennscheibe ansetzt: die Schraube bleibt standhaft. Nächste Stufe: die pressluftgetriebene Karosserie-Säge. Noch immer rührt sich nichts, doch ach exakt einer Stunde und fünf Minuten Schrauben, Drücken, Flehen und Flexen gibt die Schraube schließlich nach!
Jetzt heißt es: Gas geben, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Große Teile wie Tank und Gestühl lassen sich einfacher entfernen - und sorgen für deutlich mehr Freude. Der Innenraum wird komplett leergeräumt. Bei der Entfernung des Dämmmaterials kommen dann erstaunlich wenige Gebrauchsspuren zum Vorschein. Die weitere Demontage des Interieurs verläuft dann eigentlich planmäßig. Das einzige Problem: schon am allerersten Arbeitstag müssen die Mechaniker Überstunden machen. Und das alles nur wegen einer festsitzenden Schraube. Zügig verliert der Mustang sein Blechkleid. Wir werden alle Teile sandstrahlen, grundieren und frisch lackieren. Am Ende ist unser Ami splitterfasernackt. 40 Jahre hat er nun auf dem Buckel, trotzdem präsentiert er sich ausgesprochen frisch.
Zum VideoAm nächsten Morgen lacht nicht nur die Sonne über der Werkstatt. Zufrieden mit dem Erreichten macht sich Mechatroniker Ludwig an die Zerlegung des V8-Motors. Stück für Stück schraubt er alle Anbauteile wie die Abstandsplatte für den Vergaser zur Kurbelgehäuse-Entlüftung oder die acht Zündkerzen aus dem Motorblock. Unser Motor hat 4,7 Liter Hubraum und ist unter den Mustang-Achtzylindern der Kleinste, aber am häufigsten Verbaute. Immer wieder findet man Exemplare mit mehr als 200.000 Meilen, was hauptsächlich am strikten Tempolimit in den USA liegt. Der Motor ist absolut nicht auf Vollgasbetrieb ausgelegt, in Deutschland gefahrene Exemplare haben meist eine kürzere Lebensdauer.
Bis jetzt wehrt sich der betagte Motor kaum gegen das Zerlegen. Aber schließlich spielen auch hier nicht alle Teile so mit, wie Ludwig es gerne hätte. Die Ventildeckel-Dichtungen sind häufig vollkommen zerbröselt oder hart – hier ist alles im grünen Bereich. Auch sonst sieht es noch gut aus.
Zur weiteren Demontage dreht Ludwig den Motorblock um. Während sich das letzte Kühlwasser verabschiedet, löst er die Ölwanne. Hier gibt es eine unangenehme Überraschung!
Nächste Woche: Die gestrippte Karosse wird mit Trockeneis und Sand gestrahlt und das Geheimnis der seltsamen Brocken im Motor wird gelüftet. Welche Überraschungen werden die Experten wohl noch finden?